Die Stadtkirche im Fluge erleben!

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Die Stadtkirche überragt mit ihrem 64 m hohen Turm die Kernstadt. Sie liegt über dem Calwer Marktplatz. Der Haupteingang ist am Kirchplatz 2.

Der Chor stammt aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, das Schiff von 1888.

Die Stadtkirche Peter und Paul hat eine wechselvolle Geschichte, von deren Anfängen wir wenig wissen. Ihr ältester Teil ist etwa 800 Jahre alt: eine ehemalige Jakobskapelle, von der nur noch Mauerreste mit zwei kleinen romanischen Fenstern zwischen Turm und Chor erhalten sind.

Die erste Calwer Stadtkirche wurde wohl um die Zeit der Stadtgründung, also nach 1260, neben der Jakobskapelle errichtet. Sie war, wie die Hirsauer Klosterkirche, den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.

Der gotische Chor entstand Ende des 14. Jahrhunderts. Die Schlußsteine in seinem Gewölbe zeigen das Calwer Wappen (Löwe), das Württemberger Wappen (drei Geweihstangen) und Schlüssel und Schwert, die Zeichen für Petrus und Paulus.

m Jahr 1505 wurde südlich des Chores eine neue, die heutige Stadtkirche angebaut. Der alte Jakobsaltar wurde in den darunter liegenden Raum verlegt, weil man im hinteren Teil der alten Jakobskapelle den Kirchturm errichtete. Damals wurde auch das Kirchenschiff neu gebaut und vergrößert.

In den Jahren nach 1534 wurde wie überall im Land auch in Calw die Reformation eingeführt und acht Heiligenaltäre aus der Kirche entfernt.

1627 erweiterte der "Spezial" Johann Valentin Andreae, ein bedeutender Denker seiner Zeit und einer der Väter des Pietismus, die Kirche durch den Einbau von Emporen. Eine steinerne Tafel am südlichen Haupteingang zeugt von diesem Umbau.

 

Der 30-jährige Krieg und seine Folgen

Nach der Schlacht von Nördlingen im 30-jährigen Krieg, als die protestantischen Verbündeten geschlagen waren, stürmten siegreiche bayrische und kroatische Soldaten durchs Land und legten am 20. September 1634 auch Calw in Schutt und Asche. Von unserer Kirche blieben nur der Chor, die Sakristei und die ausgebrannten Mauern des Schiffs und des Turms erhalten.

1655 war das Gotteshaus wieder hergestellt, "eine der schönsten Kirchen im Herzogtum". Im Turm, der jetzt eine "welsche Haube" trug, hingen sechs Glocken mit einem Gesamtgewicht von 113 Zentnern. Das Kruzifix, heute an der linken Chorwand, stiftete der Kirchenkatasterverwalter Tobias Scheck.

Am 27. September 1692 wurde Calw erneut Opfer der Flammen. Brandschatzende Franzosen im Gefolge des Generals Melac verwüsteten die Stadt. Auch jetzt brannten Turm und Schiff wieder ab, Chor und Sakristei blieben erhalten.

In der durch die Tuchmacherei und den Tuchhandel einst reichen und nun arm gewordenen Stadt ging der Aufbau der neuen Kirche nur mühsam vor sich. 1696 wurde in der noch unvollendeten Peter- und Paulskirche zum ersten Mal gepredigt. 1699 wurden fünf neue Glocken gegossen; 1725 wurde die Orgel auf einer Empore im Chor, 1726 die Kanzel eingeweiht.

 

Neubau im 19. Jahrhundert 

Diese Sparsamkeit beim Wiederaufbau rächte sich. Die ausgeglühten Mauern gaben unter der Last des Daches nach, so daß 1884 das Schiff abgebrochen und neu aufgebaut werden mußte. 1888 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Dem Geschmack der Zeit folgend war sie in neugotischem Stil gebaut und ausgestattet. Aus dieser Zeit stammen die Kanzel mit Schalldeckel, das Chorgestühl, die Emporenbrüstungen, die geschnitzten Kirchenbänke, das Orgelgehäuse und der spitze Turm mit Umgang.

Die Chorfenster, von Calwer Bürgern gestiftet, wurden 1886, 1890 und 1914 in München gefertigt; die bunten Glasfenster unter den Emporen sind ein Werk Rudolf Yelins aus dem Jahr 1935 und 1958. Er hat auch die Sonnenuhr an der äußeren Südwand geschaffen.

In einer ersten Renovierung nach dem 2. Weltkrieg versuchte man 1957, die wenig geschätzte Neugotik durch eine "reine Gotik" zu ersetzen und zerstörte dabei die neugotischen Wand- und Deckenmalereien gründlich. Auch der Altar wurde damals erneuert.

 

Heute
Bei der letzten Innenrenovierung im Jahr 1996 wurden die Kirchenbänke unter Verwendung der alten Schnitzereien erneuert; vom Berg her eindringendes Wasser und der Holzwurm hatten das Holz zerstört. Die Kirche bekam eine Fußbodenheizung und unter der Orgelempore einen Freiraum, der für Gemeindeveranstaltungen genützt werden kann.