Bergkirche

Wie es zum Bau der Bergkirche kam und welche Aufgabe sie innerhalb der Gemeinde übernehmen soll, erfahren wir aus der Urkunde, die anlässlich des Richtfestes am 31. Oktober 1953 verfasst wurde und heute in der Sakristei der Bergkirche aufgehängt ist.


Als nach dem schrecklichen Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 zwölf Millionen Deutsche aus den abgetrennten Ostgebieten und aus Südosteuropa vertrieben wurden und in das ehemalige deutsche Reich flüchteten, mussten für die Heimatlosen allenthalben Wohnungen gebaut werden. Auch die Stadt Calw stand vor dieser Notwendigkeit. Tatkräftig griff sie die Aufgabe an und erschloss auf dem Wimberg, der bis 1945 kaum zwei Dutzend Häuser zählte, in großzügiger Weise Baugelände, so dass bis zum Jahre 1953 für fast eintausend Menschen Obdach und Heimat verschafft werden konnte.
Da die meisten Wimbergbewohner evangelisch sind, beschloss der Calwer Kirchengemeinderat am 24. April 1953 inmitten der Wimbergsiedlung ein Kirchlein zu bauen. Es soll Mittelpunkt der Gemeinde werden, deren Glieder aus vielen deutschen Ländern zusammenströmten und die doch als das eine Volk Jesu Christi zusammengehören.
Auf günstigem Gelände, zwischen dem alten und dem neuen Teil der Siedlung, stellte die Stadt Baugelände zur Verfügung. In nächster Nähe der Wimbergschule, die am 3. Nov. 1953 eingeweiht wird, steht nun die
Bergkirche,
deren Richtfest wir heute am 31. Oktober 1953, 436 Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg, begehen.

  

Die Kirche mit ihrem Turm, der die Häuser überragt und schon von weitem zu sehen ist und ihren Glocken, die die Stunden schlagen und durch ihr Geläut die Leute zum Gottesdienst zusammenrufen, vermittelte der Einwohnerschaft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Geborgenheit in einer Gemeinschaft.
Die evangelischen Bewohner von Alzenberg, einem anderen Höhenstadtteil von Calw, die bis zum Bau der Bergkirche kirchlich dem Nachbarort Altburg zugeordnet waren, gehören nun fortan auch zur Bergkirchengemeinde.

Nachdem der kleine Gruppenraum im hinteren Teil der Kirche für Zusammenkünfte der Gemeindemitglieder zu klein wurde, wurde 1968 an die Kirche ein Gemeindehaus angebaut.

Der Stadtteil Wimberg, in dem nach dem Krieg 65% der Einwohner Heimatvertriebene wohnten, unterscheidet sich heute kaum mehr von anderen Vorstadtgemeinden, nur die Wohnblocks der Nachkriegszeit und der Name der Hauptstraße des Orts, die "Ostlandstraße" weisen auf die Geschichte hin.
Heute wohnen in Wimberg 1860 und in Alzenberg 1110 Einwohner.