Das Wort zum Erscheinungsfest

Gute Gaben der Heiligen Drei Könige

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An den Besuchern der Krippe zeigt sich, wie die Evangelien den Messias sehen. Eine Deutung von Walter Hummel.

Nochmal Weihnachten – aber aus anderer Perspektive

Manche christlichen Kirchen feiern erst morgen am 6. Januar das Weihnachtsfest. Bei uns ist Weihnachten da schon wieder vorbei und am Montag geht für die meisten auch wieder der normale Alltag los – auch wenn die Schüler dieses Jahr noch zwei Tage länger Ferien haben.

Bei uns ist der 6. Januar der Dreikönigstag, an dem die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und „20+C+M+B+19“ mit Kreide an die Türen schreiben. Gemeinhin werden diese drei Buchstaben als Abkürzung für drei Namen verstanden: Caspar, Melchior und Balthasar – aber eigentlich steht das für: „Christus Mansionem Benedicat“ d.h. „Christus segne dieses Haus“ – auch im Jahr 2019! Ein schöner Segenswunsch, den die Sternsinger da überbringen. Im Kirchenjahr freilich hat der 6. Januar einen ganz anderen Namen: Epiphanias, auf Deutsch: Erscheinungsfest – aber was das bedeutet, das weiß kaum mehr jemand.

Für viele ist das einfach ein Feiertag, an dem man keinen Urlaub zu nehmen braucht – schade, dass er dieses Jahr auf einen Sonntag fällt. Aber damit gebe ich mich als Pfarrer natürlich nicht zufrieden und ich will heute daran erinnern, dass der 6. Januar, das Erscheinungsfest, ganz viel mit Weihnachten zu tun hat – aber eben aus einer anderen Perspektive!

Erinnern wir uns, welches Ereignis diesem Feiertag zu Grunde liegt: Es ist der Besuch der Sterndeuter aus dem Morgenland beim neugeborenen Jesus in Bethlehem. Sie haben wertvolle Geschenke mitgebracht, wie wir alle wissen: Gold, Weihrauch und Myrrhe; deshalb sind sie schnell zu wohlhabenden Königen erklärt worden und drei müssen es gewesen sein, weil es ja drei Geschenke gab. Im biblischen Bericht im Matthäus-Evangelium steht das zwar so nicht drin und im Lukasevangelium kommen sie überhaupt nicht vor, aber da zeigen sich zwei verschiedene Perspektiven, aus denen Weihnachten betrachtet wird:

Bei Lukas sind es die Hirten von den Feldern Bethlehems, die das neugeborene Kind als erste besuchen: einfache, raue Burschen vom Dorf, die angesichts dieses Kindes ins Staunen geraten.

Bei Matthäus dagegen sind es gebildete, wohlhabende Männer, die von sehr weit her kommen, um dieses neugeborene Kind zu begrüßen und es zu beschenken. Und wie oft in biblischen Texten kann man dahinter eine tiefere Be-Deutung erkennen, die aus der Historie bis zu uns herüberreicht. Denn mit diesen beiden unterschiedlichen Berichten vom Besuch an der Krippe macht die Bibel folgendes deutlich:

Bei diesem Jesus, da sind sowohl die ganz einfachen Leute willkommen, als auch die feinen, hochgebildeten Menschen. Sie alle kommen ins Stauen über dieses Kind und verbeugen sich vor ihm. Zu welcher Gruppe von Menschen rechnen wir uns? Arm oder reich? Bodenständig und zupackend oder angesehen und weltgewandt? Oder irgendwo dazwischen? Egal, angesichts des Kindes in der Krippe verlieren solche Unterschiede ihre Bedeutung. Denn alle, wir alle, dürfen zu diesem Kind kommen – so wie wir sind – ob Hirten oder Könige. Bei ihm sind alle willkommen!

Das ist das Geheimnis von Weihnachten, egal aus welcher Perspektive wie es betrachten. Egal, ob wir es am 24. Dezember feiern oder am 6. Januar.

Walter Hummel; Calw-Wimberg